Freitag, 3. Juli 2015

mittwoch, 1ter july
13:07 uhr
bali west
28 grad im schatten

wir sitzen in tempel nummer fünf, zwei weitere haben wir noch vor uns. die heutige ceremony gebührt einem toten welcher vor einem monat verstorben ist. im laufe des tages werden wir ebenfalls zum strand weiterziehen um den vollmond zu zelebrieren und willkommen zu heißen. purnama ceremony.

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realer und authentischer könnte es nicht sein. ich sitze in mitten hunderter menschen in traditioneller kleidung, in meinem sarong und kebajak, auf dem warmen steinborn welcher mit blumen übersät ist. gesänge aus kratzigen lautsprechern schwirren im hintergrund durch die lüfte welche sich mit glockenspielen vermischen, von allen seiten nehme ich die gespräche als einheitliche, angenehm klingende maße war. mir eine mittlerweile so vertraute sprache, dass ich fast meinen könnte ich würde die bedeutung alleine durch den klang und die betonung verstehen. vereinzelte wörter übersetzen sich automatisch in meinem kopf. der duft hunderter räucherstäbchen lässt mich ein bisschen wegtreiben und müde werden. affen springen um uns herum, wartend auf weggeworfene opfergaben. nach und nach werden sie immer frecher. man fühlt sich beinah umzingelt. über den Ablauf des betens muss ich nicht mehr nachdenken, es passiert von selbst.

wie ich sagte, echter könnte es nicht sein. aber gerade weil es so unglaublich echt ist springen mir die ganze zeit die worte wikipedia und N24 durch den kopf. es fühlt sich beinahe so an als würde ich in eine dokumentation oder einen artikel katapultiert worden sein. ich drifte ab, als würde ich in einer kleinen durchsichtigen blase sitzen welche mich hautnah dabei sein lässt aber auch ganz weit weg. ich fühle mich wohl, mittendrin.

wenn ich bei uns in deutschland in einer kirche sitzt schmecke ich immer einen bitteren nachgeschmack. ich spüre die versteiftheit, kein öffnen, starr da sitzen, bloß nicht reden. hier lachen die menschen, rauchend am handy warten sie auf das gemeinsame beten welches einem das gefühl gibt wirklich geöffnet zu werden. ich fühle mich näher zu all dem was um uns herum ist als sonst. es fühlt sich richtig an und vorallem voller freude. nach den 7 verschiedenen stationen war ich so müde und zufrieden mit mir selbst. so fühlte ich mich nie nach einem Kirchengang.

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Kommentare:

  1. soooo ein schöner text :)
    wünsch dir noch viele solcher erfahrungen :)

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  2. wow.. ich wünsche dir weiterhin noch viel freude bei deiner reise bzw. deinem aufenthalt dort! :)

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  3. hört sich so toll an🙈😍 Wanderlust nach Südostasien 😱💘

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